• Alles so schön digital hier

    Eigentlich erschien es mir widersinnig, das Erzählen von Märchen und Geschichten mit Hilfe einer Webseite zu bewerben. Das Besondere an der Erzählkunst ist ja gerade, dass sie nur im Moment eines persönlichen Miteinanders existiert: Wenn Erzähler:in und Zuhörer:in zusammenkommen, sich eine Geschichte von der Phantasie der Einen in die der Anderen fortsetzt und dabei frei entfaltet …

  • … in Zeiten von Corona

    Meine erzählenden Kolleg:innen, Freund:innen und Bekannten haben Geschichten fürs Radio aufgenommen, Videos im Grünen gedreht und virtuelle Geschichten-Schreibwerkstätten ins Leben gerufen. Im KULT-Theater wurden das Parkett neu versiegelt, die Wände gestrichen und es wird fleißig an neuen Hygiene-, Zwischenfinanzierungs– und künstlerischen Konzepten „mit Spuckschutz“ gearbeitet. Mir kommt es vor, als hätten alle Leute flugs ihre Behausungen entrümpelt und neue Wege für ihre Kreativität gesucht und gebahnt. Nur ich nicht. Mir hat es die Sprache verschlagen. Als sei mit der Machbarkeit auch die Motivation zum Erzählen erloschen. Aber Nicht-Erzählen macht für mich – buchstäblich – wenig Sinn. Also habe ich jetzt begonnen, nach Geschichten zu suchen, die für mich die Lage…

  • Grimms ge[/er]zählte Gefühle

    Man kann ja heute die tollsten Dinge mit Texten machen, wenn sie in digitaler Form vorliegen. Das, was ich hier gerade tippe, ist ‚born digital‘, entsteht also direkt im digitalen Raum und existiert erst mal nur dort. Praktisch alles andere kann nachträglich ins Digitale bugsiert werden. Alte Bücher etwa werden retrodigitalisiert, indem man sie abfotografiert, dann ein Computerprogramm den Text auf dem Bild erkennen lässt, dem Ganzen noch die bibliographischen Metadaten hinzufügt – und fertig ist das digitale Pendant zum Buch aus Papier. Das kann man dann digital archivieren, bearbeiten, weiter verschicken, ausdrucken, online publizieren und, und, und… Mit solchen digitalen Texten können sich dann nicht nur Menschen, sondern auch…

  • Die Aufmerksamkeit der Jugend

    Mein Fundstück des Tages stammt von 1777: In diesem Jahr teilte der Göttingische Professor J.G.H. Feder einige seiner Einsichten in das Erziehungswesen durch eine Zuschrift an die Herausgeber der Pädagogischen Unterhandlungen mit, wo sie prompt abgedruckt wurden. Seine Ausgangsfrage war: Wie bekommt man seine Zöglinge dazu, aufzupassen? Nun, Feder zufolge weckt bzw. bewahrt ein Gegenstand in einem oder mehreren von fünf Fällen die Aufmerksamkeit der Jugend. Nämlich wenn er 1) für sie selbst von Interesse ist,2) angenehme Vorstellungen hervorruft, oder 3) die „Empfindungskräfte stark erschütter[t]“ und  so „aus dem beschwerlichen Gefühle stagnierender Kräfte [=Langeweile] uns heraus reisset“. Auch 5) „Sympathie“ – hier verstanden im Sinne von „Nachahmungstrieb“ – hilft: Wenn…

  • Märchenmaschinen

    Vor ein paar Wochen – es kommt einem vor, als wären es Jahre – waren wir mit der halben Erzählwerkstatt im Wolfsburger „phaeno“ https://www.phaeno.de. Im Moment muss es geschlossen bleiben, aber normalerweise werden dort alle möglichen natürlichen Phänomene und mit passenden Gerätschaften vorgeführt, und in den meisten Fällen kann man dabei auch irgendwie selber Hand anlegen. Es ist ein großer Spaß... In diesem Fall hat uns jedoch etwas andres angelockt: eine Sonderausstellung mit dem seltsam-schönen Titel „Märchenmaschinen“.

  • Festivalplanung III: Ein Film

    Eins führt ja bekanntlich zum Anderen. Als ich neulich nach anderen Erzählfestivals recherchierte, war ich sehr von einem Video des Waliser „Beyond the Border“-Festivals angetan. So sehr, dass ich gleich Tickets kaufte. Und dann dachte ich, dass diese Form des Marketings ja offensichtlich sehr erfolgreich sein kann. Und dass es doch schön wäre, wenn wir vielleicht auch sowas machen könnten...