Das Bild ist eine visuelle Metapher. Angelehnt an das bekannte Bild aus dem Märchen Sterntaler, bei dem Taler aus dem Himmel auf das arme Mädchen herabregnen, empfängt hier eine arme Wissenschaftlerin gute, hilfreiche Daten für ihre Forschung.
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Märchen im Netz

Wenn man es als Grundidee des Internets betrachtet, Texte und andere Daten über Landesgrenzen und die Zeiten hinweg mitzuteilen, zu multiplizieren, weiterzugeben und dabei gegebenenfalls auch zu verändern – dann bietet es Märchen ein vergleichsweise ‚natürliches‘ Zuhause. Befördert wird dies dadurch, dass Märchen meist als gemeinsames Menschheitserbe angesehen werden, dessen Weitergabe legal und erwünscht ist.

Im deutschsprachigen Raum gibt es eine ganze Reihe von Webseiten und -projekten, die auf die eine oder andere Weise Märchentexte und Informationen rund um Märchen zur Verfügung stellen und die für Erzähler:innen entsprechend ergiebig sind. Im Folgenden beschreibe ich ein paar dieser Angebote und Adressen, die ich persönlich hilfreich finde. Für die Inhalte sind natürlich die jeweiligen Anbieter:innen selbst verantwortlich.

Märchen im Regal: Auch sehr praktisch
  • Das Märchenlexikon basiert auf der Klassifikation von Märchen, die Antti Aarne begonnen und Stith Thompson erweitert hat, dem sogenannten Aarne-Thompson-Index (abgekürzt AT, AaTh oder ATh). Zur Verfügung gestellt und gepflegt wird das Märchenlexikon vom Kulturanthropologen Kurt Derungs, der u.a. auch Bücher zum Thema Märchen schreibt und herausgibt sowie Studienreisen organisiert. Wer eine Erzählveranstaltung für ein bestimmtes Publikum oder zu einem bestimmten Thema vorbereitet, ist hier an der richtigen Adresse. So könnte man zum Beispiel Geschichten suchen, die etwa für Frisöre interessant wären: Dazu schaut man in der Märchenlexikon-Rubrik „Motive“ unter „H“ wie „Haar, goldenes“ oder „Haar, magisches“ nach und findet so die Nummer entsprechender Märchen im AaTh-Index. Im nächsten Schritt prüft man in der Rubrik „Index-AT“, ob es im Märchenlexikon einen Artikel zu dieser Nummer gibt: Falls ja, so lassen sich hier Zusammenfassungen, Varianten und Anmerkungen sowie weiterführende Literatur erkunden. Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm haben übrigens ihren eigenen Zähl-Index: KHM. Das Märchenlexikon beinhaltet unter dieser Rubrik viele Volltexte dieser Märchen. Und nicht zuletzt gibt es auch eine Liste mit den Quellen bzw. Beiträger:innen der Grimmschen Märchensammlung: http://www.maerchenlexikon.de/
  • Der Märchenatlas von Karen Lippert bietet Inhaltsangaben und eine Fülle von Informationen und Verweisen. Bei ihr lassen sich Märchen, Sagen und Kunstmärchen aus verschiedenen Ländern recherchieren. Zudem kann man Geschichten von A-Z über Titel, Schlagwörter oder vorkommende Figuren und Motive suchen. Die Seite hält auch Informationen über Autor:innen, Sammler:innen und Illustrator:innen von Märchen bereit sowie Bildersammlungen zu einzelnen Märchen: http://www.maerchenatlas.de/
  • Zeno.org ist eine von einer Berliner Firma betriebene Online-Bibliothek mit Volltexten. Hier finden sich zum Thema ,Märchen‘ nach Regionen und Ländern geordnet eine große Anzahl digitalisierter Bücher mit Märchensammlungen: http://www.zeno.org/nid/2000780234X
  • Ähnlich auch das Projekt Gutenberg-DE, das unter der Rubrik „Märchen“ einzelne Geschichten aber auch ganze Sammlungen zur Verfügung stellt: https://gutenberg.spiegel.de/genre/marchen-fairy
    Edit 31.1.2020: So schnell wandelt sich das Netz… Inzwischen hier: https://www.projekt-gutenberg.org/info/texte/allworka.html
  • Die Andersonstories präsentieren, wie der Name schon sagt, die Märchen und Erzählungen von Hans Christian Andersen, und zwar in Übersetzungen in sieben europäische Sprachen. Die Betreiber der Seite sind nicht auszumachen (eine whois Abfrage deutet zumindest in Richtung Niederlande). Man kann sich die Texte parallel in zwei Sprachversionen ansehen und auch als PDF herunterladen: https://www.andersenstories.com/
  • Die Datenbank zur Europäischen Ethnologie/Volkskunde auf Sagen.at von Wolfgang Morscher beinhaltet nach eigenen Angaben mehr als 18 000 Erzähltexte mit Quellenangaben. Darunter ist auch die eine oder andere Sage aus außereuropäischen Ländern sowie Hoaxes und Aberglauben der Gegenwart. Auch Fotos und Sekundärliteratur zur Volkskunde werden hier gesammelt: http://www.sagen.at/

Im Netz gibt es zudem viele deutschsprachige Seiten, die Märchentexte sammeln. Die meisten dieser Angebote nennen keine Quellenangaben für die Textfassungen, sondern ordnen sie höchstens bestimmten Herkunftsländern zu:

  • Der Märchenbasar von Mario Eberlein verfügt nach eigener Aussage über mehr als 4000 Märchen, die sich nach Regionen und Ländern suchen sowie im Volltext nach Stichworten durchsuchen lassen: http://maerchenbasar.de/
  • Bei Hekaya gibt es nach eigenen Angaben 2800 Texte zu Märchen aus aller Welt, deren Textfassungen von Guido Adam bearbeitet wurden: http://www.hekaya.de/

Manche Erzähler:innen stellen auf ihren Seiten auch Erzählfassungen zum Herunterladen bereit, so zum Beispiel Denise Racine aus der Schweiz. Andere zeigen gleich die Erzählfassung als Video auf eigenen Youtube-Kanälen, wie Frau Wolle und Norbert Kober, aber das ist schon wieder eine andere Geschichte …

Ich wünsche viel Spaß beim Stöbern und Fischen nach Märchen im Netz. Wenn Ihr Ergänzungen oder Anmerkungen habt, schreibt mir gerne eine Mail oder einen Kommentar zu diesem Blog-Artikel.

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